Peter Tuma, Stills

Henrike Junge-Gent, 2008

Bonsai, Kirschblüte, Bambus, Manga, Sushi und schließlich Sony - diese japanischen Begriffe kennt auch im Westen jedes Kind. Sie sind als Mythen des globalen Alltags in die Massenkultur eingegangen. Zu einer Art Japan-Pop verarbeitet sie der Maler und Zeichner Peter Tuma, der lange Jahre an der Fachhochschule Hannover Malerei lehrte. Sein Repertoire an Versatzstücken aus dieser Japan-Pop-Welt mischt der Japan-Kenner und -liebhaber immer wieder anders und verwendet dabei vorwiegend Methoden, die ebenfalls dem Bereich der Massenkultur entstammen, zum Beispiel Schablonieren, Kontern, Negativieren, unterschiedliches Einfärben, mit Schrift Ergänzen und anderes mehr aus dem Gebiet des Kommunikationsdesigns. So entstehen Stills, stilllebenhafte Kompositionen, die jedoch nicht als traditionell-westliche Zusammenstellungen von Gegenständen gebaut sind. Die Bilder weisen überwiegend einfache, gleichermaßen dem Archaischen wie der Moderne zugehörige Strukturen auf wie Reihungen und Raster, im Bild selbst und aus Einzelbildern zu Tableaus kombiniert. Mitunter erinnern sie an Tapeten und berühren damit den Bereich von Muster und Ornament. Aber häufig grenzen sie auch an die fernöstliche Kunst der Kalligraphie und präsentieren die Handschrift des Zeichners. So einfach Tumas Bilder zunächst erscheinen mögen, so überzeugend sind sie als Crossover mit der Bildsprache der Hochkunst konzipiert. An einer abstrakten, jeglicher Funktion entkleideten Gefäßform beispielsweise wird das ganze Repertoire an räumlicher und flächiger, jeweils einander konterkarierender Darstellungsweise in kleinen Einzelbildern vorgeführt und wie ein didaktisches Tableau komponiert.

In anderen Bildern gehen präzise Konturen im linearen Stil mit fleckhaft-malerischen Elementen einher, schablonenhaft klar konturierte verbinden sich mit handschriftlich ephemeren Setzungen. Tuma ist Maler ebenso wie Zeichner; er liebt das Schwarz und verwendet vulgäre Industriefarben in eigentümlich gebrochenen Farbtönen, die dem exotischen Formrepertoire gut stehen, Inkarnatrosa, ins Giftige strebendes Gelb und das depressive Green der amerikanischen 1920er Jahre. Lackrot schließlich, eine Lieblingsfarbe dieser am Fernen Osten interessierten Westkultur darf nicht fehlen. Tumas Verehrung der japanischen Kulturtradition geht einher mit seinem Erschrecken vor dieser gewaltigen Ästhetik. In seinen Bildern findet er einen zeitgemäßen Ausgleich: pathetische Stillleben.

Henrike Junge-Gent, Pressetext zur Ausstellung Peter Tuma, stills & sounds (zusammen mit Ulrich Eller), Städtische Galerie im KUBUS, Hannover 2008